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Dagmar (Westhoven) hatte ja unsere
diesjährige Tour als Erlebnistour durch das Sauerland angekündigt, und
insofern brauchte man sich nicht zu wundern. Staunen war angesagt zunächst
über die Dimensionen der mittlerweile 182. (in Worten:
Einhundertzweiundachtzigsten) vom Landwirtschaftlichen Kreisverein
Wittgenstein veranstalteten Kreistierschau, dem Stünzelfest in Bad
Berleburg, unserer ersten Station.
Schon die Anfahrt und der Blick
auf die riesigen Parkplätze auf den Wiesen war bombastisch. Aber
erstaunlich war auch, dass – obwohl wir schon gegen 11 Uhr dort eintrafen
– die Zahl derjenigen, die uns entgegenkamen nicht viel kleiner war als
die, die mit uns den Weg zum Stünzelplatz hin zurücklegten.
Der
Unterschied war nur der, dass die Entgegenkommenden vielfach bepackt waren
mit Pflanzen und Blumen (den Holländer hat‘s gefreut) oder
zweckentfremdeten Bananenkartons, in denen sich allerlei gefiedertes
Getier befand. Eingebettet in das hügelige Waldgelände dann eine Bude
neben der anderen, ein Geschiebe und Gedränge, Getränke- und Fressbuden,
Buden aller Art, Jahrmarkt halt. Und dann die Schafe, Ziegen, Rindviecher
und Pferde, sowie die Kaninchen und Hühner unterschiedlicher Rassen, die
ausgestellt und bewertet wurden. Klar, dass bei den Pferden natürlich auch
die Haflinger von Karl-Heinrich Krämer, quasi der Platzhirsch, der uns
auch über Lautsprecher herzlich willkommen hieß, eine tragende Rolle
spielten. Und schön, dass mit unserem Zuchtwart Carsten Riemer ein
kompetenter Pferdemann unter den Richtern war.
Doch all das konnte unser
Blondinenduo Petra und Andrea nicht so in den Bann ziehen wie ein
gigantischer Charolaisbulle und seine ebensolche Bullenpracht, die, was
die zahlreich umherstehenden Jungagronomen doch reichlich irritierte, von
allen Seiten fotografiert und sofort per MMS an wen auch immer
weitergeleitet wurde – Genaueres wissen vielleicht die Spitzelbuben der
NSA. Die Kreativabteilung aus Bad Honnef hätte daraus gerne einen
formidablen Einkaufsbeutel (bull bag) gemacht. Die jüngeren Damen Kerstin
und Mariele grinsten verschämt bei diesem Gedanken, Heike und Gaby
lächelten altersmilde, Dagmar schoss derweil ihr gefühlt hundertstes Foto.
Also wieder ein Erlebnis der
besonderen Art, das sich bezüglich der Fahrt zum Landgasthof Laarmann in
Lennestadt-Kirchveischede noch fortsetzen sollte. Da die meisten Navis bei
schlichten Umleitungen versagen (müssen), wurde dieser Teil der Tour
solange zur Tortur, bis auf gutes, altes, analoges Kartenmaterial
zurückgegriffen wurde; weil aber das Wetter mitspielte und wir nicht in
Zeitdruck waren, konnten wir die ganze Gegend um Altenhundem inklusive
Rüspe und Rhein-Weser-Turm in Augenschein nehmen,
und sogar noch als die
Glorreichen Sieben plus Einer auf dem Biggesee mit der 750 Personen
fassenden Westfalen quasi nur für uns eine Art Sonderfahrt machen. Bevor
es zurück zum Landgasthof Laarmann ging wurde noch im Hotel Struck, einer
früher sehr aktiven und erfolgreichen Haflinger Züchterfamilie im Repetal
in Niederhelden Station gemacht, und die Freude war auf beiden Seiten
riesig. Unser Hotelier Mike Laarmann, der „Entenkönig vom Sauerland“, hat
sich danach breitschlagen lassen u.a. Menues von der Ente aufzutischen,
welche wie die anderen Gerichte bestens ankamen. Danach war
Verdauungskegeln angesagt, wo bei prächtiger Stimmung kräftig
„eingesackt“ und „geputzt“ wurde. Nach opulentem Frühstück ging es dann
wieder nach Sondern zum Biggesee, um diesmal eine eineinhalbstündige
Schifffahrt mit der Westfalen zu machen.
Die letzte Station war dann gegen
Mittag Elspe, wo wir bereits von Frank und Ute nebst deren Tochter
erwartet wurden. Bevor das Spektakel „Unter Geiern“ startete, konnten wir
noch eine Greifvogelschau und eine Tennessee Music and Dance Show auf dem
Festivalgelände erleben. Winnetou und Old Shatterhand gaben danach ihr
Bestes, und Martin Semmelrogge hatte als Gangster natürlich nicht den
Hauch einer Chance, galoppierte aber führerscheinfrei vermutlich
wesentlich besser als er Auto fährt. Karl May hätte es sicher gefallen.
Summa summarum mal wieder eine herrliche Erlebnistour, die eigentlich nur
einen Mangel hatte – die geringe Beteiligung.
Eberhard Spindler
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Weitere Bilder gibt's in unserem Fotoalbum
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